Johannes Matthias Sperger: Konzert für Viola und Orchester in D

Ausgabe für Viola und Klavier, mit zwei Solostimmen, mit Fingersätzen und Kadenzen von Vidor Nagy – jetzt erhältlich bei IKURO Edition – Musikverlag Roland Heuer, Stuttgart.

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Neben dem Violakonzert von Joseph Schubert ist Spergers Komposition der zweite Glücksfall in meinem Leben, unbekannte und zu unrecht vergessene Stücke wieder zu öffentlichem Glanz zu verhelfen. Beide Konzerte sind auf CD eingespielt worden.

Das Violakonzert von Johann Matthias Sperger habe ich häufig und gerne gespielt. Jeder Satz hat mich in besonderer Weise angesprochen: Im ersten Satz entdeckte ich stets kompositorische Frische und Elan, und im zweiten Satz berührte mich die unendlich fortschwingende Melodie. Im dritten Satz, Rondo, herrscht Anmut und Eleganz, als ob es gelte, den höfischen Knicksen eines altehrwürdigen Publikums musikalisch zu antworten.

Die von mir vorgeschlagene Tonartverlegung zu D-Dur hat auch das Orchester strahlender gemacht, ohne die Transparenz zwischen Solo-Viola und Orchester zu benachteiligen. Denn die Besonderheit dieses Konzerts ist, dass – genau wie in Mozarts Symphonie concertante – die Soloviola-Stimme in D-Dur steht, während der Orchesterpart in Es-Dur notiert ist. Das heißt, dass die Solostimme ursprünglich einen halben Ton höher zu stimmen war, womit Mozart und sein geistesverwandter Kollege Sperger einen strahlenderen Bratschenklang erreichen wollten. Da die heutige Stimmung ohnehin höher als vor zwei Jahrhunderten ist, kann auf diese Skordatura, das Umstimmen des Instruments, ohne Weiteres verzichtet werden, weshalb in dieser Ausgabe auch das Orchester in D-Dur zu spielen hat. Auch wenn dies in einzelnen Fällen den Austausch einiger Begleittöne zwischen 2. Violine und Tutti-Viola erfordert, ist dies die bessere Lösung gegenüber der Gefahr, durch unterschiedliche Grundstimmungen Intonationsprobleme heraufzubeschwören.

Ein weiteres Editionsproblem boten die nicht immer konsequenten Artikulationen sowie die oft ungenau gesetzten Bindungsbögen, die man an vielen Stellen der Manuskriptvorlage antrifft. Um darin zu einer einheitlichen Fassung zu gelangen, wurde bei unterschiedlich anzutreffenden Phrasierungen stets diejenige als verbindlich gewählt, welche dem Geiste Mozarts am nähesten zu stehen scheint. Daraus wären ganz konkret die folgenden Spielanweisungen zu empfehlen:

Hauptsächlich bei Achtelbewegung, und besonders in hohen Lagen auf der A Saite, eignen sich kurze Töne, die auf der Saite bleibend mit der oberen Hälfte des Bogens gespielt werden sollten; dadurch gelingt es, klangvollere Töne zu erzielen und somit bei kürzerer klingender Saitenlänge zu verschönern. Die große Wahrscheinlichkeit, dass das Violakonzert Johann Matthias Spergers für ein fünfsaitiges Instrument konzipiert ist, steht selbstverständlich in keinerlei Widerspruch zur Verwendung auf der für hohes Lagenspiel bestens geeigneten heute üblichen Viola; der historische Kontext rechtfertigt aber auch, dass in der hier vorgelegten Ausgabe einige sehr hohe Passagen mit einer erleichterten Alternativfassung für jüngere Bratschisten angeboten wird. Angesichts des musikalisch ungewöhnlich hohen Wertes dieses Konzerts wird dieses Hilfsmittel die Popularisierung desselben erleichtern, verdient es doch unbedingt einen Ehrenplatz neben den inzwischen „klassischen“ Konzerten von Hoffmeister, der Familie Stamitz, von Rolla, Telemann und Zelter.

Vidor Nagy


Rezension im Mannheimer Morgen vom 12. Juli 2001

DIE PRIMADONNA BRATSCHE – Violakonzerte mit Vidor Nagy und den “Kurpfälzern”

“… Der Österreicher Johannes Matthias Sperger billigt dem Orchester in seinem D-Dur Konzert nur untergeordnete Aufgaben zu, während die Viola alle Möglichkeiten bekommt, sich als virtuose Primadonna zu profilieren. Vidor Nagy erweist sich hier als wahrer Saiten-Artist, der die teuflisch schweren Griffe, die Kletterpartien in die höchsten Höhen und die abgrundtiefen Stürze bravourös beherrscht…” ML